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Friedrich Schiller - Der Venuswagen

Friedrich Schiller - Der Venuswagen



Wenn wir Schillers Werke nach dem Gedicht »Der Venuswagen« durchblättern, werden wir es kaum finden. Schillers erste Verse sind stets verfemt gewesen. Der Dichter hat sie selbst unterdrückt Dennoch - sie sind gerade für den Anfang des großen künstlerischen Schaffens überaus charakteristisch; ihr Wert ist nicht allein im literarischen Kuriosum zu suchen.
Als Schiller im Dezember 1780 aus der Stuttgarter Militärakademie entlassen wurde, nahm er bei der Witwe eines Hauptmanns, bei Frau Luise Vischer, Wohnung, die wir als die berühmte »Laura« anzunehmen haben. Zu derselben Zeit, als der Verfasser der »Räuber« 1781 seine »Phantasie an Laura« schrieb, muß auch der »Venuswagen« entstanden sein. Beide Gedichte ähneln sich im Pathos und. in der Strophentechnik ungemein. Um einzelne Zeilen kräftiger zu gestalten, verkürzt sie der Dichter, der sonst so sehr auf die geschliffene Form bedacht ist, um zwei Silben. Die Sprache bedient sich noch, berauscht in ihrer selbstgeschaffenen Freiheit, solcher Ausdrücke, die später, als zu stark erkannt, ausgemerzt wurden. Über das Bibliographische teilt Hayn-Gotendorf mit:
Das Gedicht »Der Venuswagen« von Friedrich Schiller erschien zuerst 1781 in Stuttgart bei J. B. Metzler im Umfange von 24 Seiten. Auf einer Leipziger Auktion 1910 brachte es 350 Mark. Der erste Nachdruck findet sich 1812 in den von Phil. Jos. von Rehfues herausgegebenen »Süddeutschen Miscellen für Leben, Literatur und Kunst«. Nach der alten Ausgabe druckte es Eduard Fischhaber zu Stuttgart um das Jahr 1860 buchstabengetreu ab.
»Das Gedicht wurde von Schiller selbst mit solchem Erfolg unterdrückt, daß es heute fast unauffindbar ist. Es wendet sich in der feurig-schwunghaften Art, die Schillers Jugendgedichten eigen ist, und ohne in der Wahl der erotischen Ausdrücke irgendwie an sich zu halten, gegen die gesellschaftliche und kirchliche Heuchelei in geschlechtlichen Dingen. In die meisten Ausgaben von Schillers Gedichten ist es nicht mit aufgenommen.«

(Aus: Friedrich Schiller, Der Venuswagen, Ein Gedicht 1781, Lithographien von Lovis Corinth, Privatdruckt der Gurlitt-Presse)

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